Der Mensch als Homo Urbanus

TrendAnstoss – Der Mensch als Homo Urbanus

von Ines Rode

Man muss kein Trendforscher sein, um Urbanisierung als einen der großen globalen Wandlungsprozesse zu identifizieren.  Seit Jahrzehnten schreitet das Wachstum von Städten weltweit unaufhaltsam voran. Wenn man  Spezialisten glauben darf, werden in zwei Jahrzehnten rund 70% aller Menschen in Städten leben. Das sind mehr als 5 Milliarden Menschen. Eine ungeheure Menge, mit großen Anforderungen an Infrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung und Lebenqualität. Ganz zu schweigen von Herausforderungen die die gesamte Menschheit betreffen – Klimawandel,  Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung etc.

Städte sind Systeme die in jeder Hinsicht funktionieren müssen. Welche Innovation wirklich wichtig ist hängt an unterschiedlichsten Faktoren wie Lokation, Armut, Reichtum, Ausgangssituation, etc. Die Financial Times US widmet dem Thema ‘Urban Ingenuity’ einen Wettbewerb auf der Suche nach Lösungen: “ … enhancing and improving infrastructure [that] can make the city better, smarter and more liveable”. Für das “Morgenstadt-Projekt” definiert das Fraunhofen Institut multidisziplinäre Sektoren wie: Mobilität, Energie, Kommunikation, Sicherheit, Gebäude, Resourcen und Regierung – als die Basis für smarte, nachhaltige, urbane Strukturen der Zukunft. Nur für die urbane Infrastruktur geht man, für die kommenden 30 Jahre,  von einem Investmentbedarf von $350 Trillionen aus. Auf globaler Ebene kreieren Städte von heute und morgen einen Marktplatz, mit  nahezu unerschöpflichen Hunger nach Lösungen.

Kleine und Grosse TrendVorreiter

Best-Practice Beispiele können uns  inspirieren den Wandlungsprozess mitzugestalten. Manche Projekte sind groß und populistisch, andere eher klein und leise – interessant und hilfreich sind die meisten.

In Paris gibt es seit letztem Jahr eine Car-Share Lösung. Bis 2014 sollen rund 3.000 Elektroautos und 6.600 Ladestationen über die Stadt verteilt sein.

Fahrradverleih in Städten ist nichts Besonderes, aber das Potenzial ist interessant. ‘VeLib’ in Paris hat etwa 23.000 Fahrräder, rund 250.000 jährlichen Abonnenten und wird von tausenden von Touristen genutzt. Jedes Fahrrad macht rund 8 Trips pro Tag.

In den Staaten wird zur Rehabilitation verfallender Wasserleitungen ‘green technologie’  genutzt , in dem die alten Leitungen von Innen verkleidet werden.

Vor den Toren Hamburgs kann der gestresste Städter Grünflächen bewirtschaften. Alles was benötigt wird, wird vom Bauern zur bereit gestellt und eine helfende Hand ist verfügbar, wenn nötig.

Kein Platz – geht in die Luft. Mit der ‘High Line’ gibt es in New York einen 2,3 km langen Park in 10m Höhe, für den man einer alten Bahnstrecken neues Leben gegeben hat. Das Restaurant ‘Riverpark’ hat seinen tragbaren Gemüsegarten auf einem Abrissgebäude. In deutschen Städten begrünen ‘Guerilla-Gärtner’ Dächer mit Tomaten und Rosenkohl, auf der Suche nach neuen Wurzeln.

TrendReflexion

Urbanisierung wird für lange Zeit riesige Anforderungen an Innovation und Erfindungsreichtum stellen. Ob für Sie persönlich oder ihre Firma Potential besteht, können sie beantworten.

Mehr und mehr werden kommunale Aufgaben und Verantwortung an private Unternehmen übertragen – ein zweischneidiges Schwert. Wenn Sicherheit und Transport an Privatfirmen vergeben werden, entsteht Abhängigkeit. Wenn moderne GPS-Technologien Verkehrsregelung ermöglicht, dann aber eben auch die Überwachung von Bewegungen.

Um Urbanisierung positiv zu gestalten, ist die Kooperation von Kommunen, Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft unumgänglich.
Als Bürger ist unsere kritische Reflexion und Aufmerksamkeit gefragt.