iCourage, das Ende der gesellschaftlichen Ängstlichkeit

TrendAnstoss – iCourage, das Ende der gesellschaftlichen Ängstlichkeit

von Ines Rode

Die Individualisierung unserer Gesellschaft ist als Trend längst etabliert. Gedanklich verbunden damit sind sicher Egoismus, Single-Dasein, Einzelkämpfertum. Eine Professorin für Marketing an der Howard Universität identifiziert das Grundmotto der Millennium-Generation als „…Was können sie für mich tun?“ (Trends Journal Winter 2013).

Doch werden wir nicht gerade Zeuge eines ganz anderen Bildes? Der Fall Edward Snowden und dessen Enthüllungen über die Abhörpraktiken des amerikanischen Geheimdienstes sind überall präsent. Am Strafmass gegen den US-Soldat Bradley Manning, der Informationen an WikiLeaks gegeben hat, wird derzeit vor einem Militärgericht gearbeitet. Edward Snowden ist 30, Bradley Manning 25 Jahre alt – da haben sich zwei junge Männer der iAlles-Generation strafbar gemacht – ihr Leben, ihre Zukunft, ihren Status Quo aufs Spiel gesetzt, um ihrem ‘i’ Frieden zu geben und die Welt darüber zu informieren, dass unser aller ‘i’ verletzlich und angreifbar ist. Im Gezi-Park von Istanbul demonstrieren Bürger gegen dessen Bebauung und sehen sich gewaltsamen Polizeieinsätzen gegenüber. Durch die Wahl der Piratenpartei machten viele Deutsche ihren Unmut zur etablierten Politik deutlich. Bürgerinitiativen wie Mehr Demokratie e.V. haben sich zum Ziel gemacht direktdemokratische Verfahren auch auf Bundesebene einzuführen: den Volksentscheid.

Kleine und große TrendVorreiter

Unsere Gesellschaft muss und wird ihre Ängstlichkeit abstreifen – ihre Stimme, Zivilcourage, Selbstbewusstsein, Ungehorsam und zivilen Widerstand finden. Haben nicht gerade deutsche Bürger mit ihren unerlaubten Montagsmärschen in Leipzig gezeigt, dass das Volk nicht machtlos ist. Der Widerstand kann leise oder laut sein, so wie der von Snowden und Manning sicher eher selten. Die Courage des Einzelnen kann sich von unten durch die Gesellschaft nach oben arbeiten. Wir haben die Macht der Wahl als Konsument, Welt-, EU-, Staatsbürger und Wähler.

 

  • Überlegen Sie sich was und von wem Sie kaufen. Überlegen Sie sich, wen Sie mit Ihrem Konsumverhalten unterstützen und unterstützen wollen. Denken Sie an 1996, als viele Bürger von Skandinavien bis Südkorea auf Produkte ‚made in France‘ verzichteten, um ihrer Anti-Atom-Test-Stimmung Ausdruck zu verleihen.

 

 

  • Carne Ross schlägt in seinem Buch ‘Leaderless Revolution’ vor, sich für das eine Thema einzusetzen, über das man sich maßlos ärgert. Unterstützen sie mit Zeit, Einsatz oder Geld Organisationen, die sich mit ‘ihrem’ Problem beschäftigen. Liegt ihnen der Erhalt bedrohter Kulturpflanzen nahe, unterstützen sie doch ArcheNoah. Unterstützen Sie Finance Watch für mehr Gerechtigkeit im Finanzwesen. Finden sie es unerträglich, dass bei uns Menschen Hunger haben, partizipieren sie an einer ‘Tafel’. Laut einer Studie der Universität Hamburg gibt es in Deutschland 2 Mio. Analphabeten – unterstützen sie den Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung e.V., der vor anstehenden Wahl Parteien befragt, was sie gegen das Problem zu tun gedenken.

 

 

  • Gar nicht neu, Kunst als Ausdruck der Kritik: Das Quartier Museum in Wien zeigt die Ausstellung ‘Faceless’ in der sich Künstler gegen die Identifizierbarkeit im Netz wehren.

 

 

  • Lesen sie Erich Kästner – den Großstadtroman ‘Fabian’ „… Kälte der Gesellschaft, Trägheit der Menschen, dies alles spiegelt sich im meisterhaften und zeitlos aktuellen Roman … Dass Fabian trotz alledem nicht aufgibt, ist in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft begründet.“- und überlegen Sie sich, was das für Sie bedeutet. Standpunkte März 2008

 

 

  • Überlegen Sie sich, wie sie die neuen Medien nutzen und Ihre digitale Existenz schützen. Surfen sie z.B. mit dem Tor-Browser (Tor schützt seine Nutzer vor der Analyse des Datenverkehrs) oder werden Sie Teil im Tor-Netzwerk.

 

 

  • Nutzen Sie das Instrument der Petition oder unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift existierende Petitionen, wie z.B. den offenen Brief an Angela Merkel auf www. change.org.

 

TrendReflexion

Unsere Gesellschaft braucht uns: mit mehr Mut, weniger Ängstlichkeit, dem Glauben an die Macht etwas ändern zu können. Die Staatsgewalt geht – unmittelbar oder mittelbar – vom Volk aus. Machen wir sie doch, durch persönliches Engagement, ein wenig mehr ‘unmittelbar’. Konnektivität und neue Medien sind dafür Werkzeuge.