TrendAnstoss

Globaler Arbeitsmarkt – Kriegsschauplatz von morgen?

von Ines Rode

“Der nächste Weltkrieg ist ein globaler Kampf um gute Arbeitsplätze (…). Wenn es Staaten nicht gelingt Arbeitsplätze zu schaffen, werden ihre Gesellschaftssysteme auseinanderfallen (…)“, so Jim Clifton, Direktor des Gallup Instituts. Die US Zeitung The Atlantic öffnete im April mit: „53% of Recent College Grads Are Jobless or Underemployed“. Für den Standort Deutschland schätzt der VDI einen jährlichen Wertschöpfungsverlust von 7 Milliarden Euro aufgrund des Mangels an Ingenieuren. Eine OECD Studie bemängelt: „Deutschland gelingt es nicht, ausreichend Akademikern auszubilden.“

Was ist richtig – können Trends so gegenläufig sein? Ja – globale Arbeitsmarkt-probleme sind uneinheitlich und komplex. Doch unabhängig ob Jugendarbeitslosigkeit, Facharbeitermangel oder andere Problemen, die Bewältigung ist zwingend für den sozialen Frieden jeder Gesellschaft. Wir sehen in Spanien und Portugal Demonstrationen gegen Jugendarbeitslosigkeit – Sorge um eine ganze Generation. In den USA ist der Schuldendruck aus Studienkrediten groß – 2012 lag die durchschnittliche Verschuldung von Studenten bei $27.000. Für Deutschland sehen die Probleme anders aus, hier bedroht der demografische Wandel mit Facharbeiter- und Akademikermangel, den Arbeitsmarkt und damit den soziale Frieden.

TrendVorreiter
Beispiele die inspirieren eigene Wege zu finden, um dem Wandlungsprozess gerecht zu werden.

  • In Skandinavien ist der Anteil von erwerbstätigen Frauen besonders hoch. Das mag an den Rahmenbedingungen liegen: geringe Gehaltsunterschiede zwischen Geschlechtern, Aufstiegschancen für Frauen, staatlich geförderte Elternzeiten, obligatorische Vätermonate, Förderung zum Wiedereinstieg nach der Geburt. Die Politik geht mit gutem Beispiel voran – das schwedische Parlament hat mit fast 45% weltweit die höchste Frauenquote.
  • In Japan setzt man auf ältere Mitarbeiter als Resource. Es gibt beispielsweise finanzielle Anreize zur Weiterbeschäftigung von Pensionären. Viele Firmen, darunter Toyota und Mitsubishi, haben Programme für Mitarbeiter im Rentenalter eingeführt und behalten 50 bis 70% der Beschäftigten über 60.
  • In vielen deutschen Firmen ist die Gesundheit der Mitarbeiter heute Chefsache. Beim LKW-Hersteller MAN setzt man neben Vorsorge, Ernährungsberatung und Sportprogrammen, auf ergonomische Arbeitsorganisation. Bei der Bosch Siemens Hausgeräte GmbH gibt es einen sog. “Ergo-Check”.
  • Wie wichtig Ergonomie und Verminderung von Verschleiß sind, zeigt eine Analyse von Eurostat: in Deutschland leben Frauen durchschnittlich nur 57,4 Jahre und Männer 55,8 Jahre ohne gesundheitliche Beschwerden. Diese beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit stellt eine erhebliche Verringerung der Produktivität dar.
  • Der Verein Deutscher Ingenieure ging im Februar 2012 von rund 100.000 unbesetzter Ingenieursstellen aus. Mit sogenannten VDI-Clubs in Kindergärten will der VDI Kinder für Technik begeistern.
  • Viele Länder leiden derzeitig unter hoher Jugendarbeitslosigkeit. Ein Blick über die Grenze macht nicht nur für die großen Unternehmen. Der Chef der WEA Wärme- und Energieanlagen GmbH, stellte sein Unternehmen in der Schule einer tschechischen Grenzstadt vor und kam mit zwei Azubis zurück. Die Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit plant in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland in Schulen und auf Messen für eine Ausbildung in Deutschland zu werben.
  • TrendReflexion
    Es gibt viele gute Ideen: flexible Arbeitszeiten, betriebliche Kinderbetreuung, Heimarbeit, Altersteilzeit, betriebliche Vorsorge, Fortbildung etc. Von 100 befragten Schülern und Schülerinnen wünschten sich 95 ‘Spaß an der Arbeit’. Bei unserer Recherche haben wir diesen Aspekt vermisst, dabei scheint er essentiell für die Problemlösung.
    Rekrutierung im Ausland ist naheliegend. Sie erfordert Integration, Überwindung von Sprachbarrieren, langfristigen Bindung und Verständnis anderer Kulturen. Für Mitarbeiter aus dem Ausland ist Folgendes zu überlegen – ‘Made in Germany’ ist ein Bestseller. Wir sollten unsere Bescheidenheit abstreifen und ‘Learn in Germany’, ‘Work in Germany’, ‘Live in Germany’ weltweit zu einem Markenzeichen ausbauen – der Standort Deutschland hat eine Menge zu bieten.