Wasser

TrendAnstoss – Wasser, die endliche Ressource des blauen Planeten

von Ines Rode

Wenn es um die Endlichkeit von Ressourcen geht, denken wir meist an Öl oder andere Rohstoffe. Doch Wasser ist eine der spannendsten Geschichten. Unser Planet ist zu 71% mit Wasser bedeckt. Nur 0,3% davon ist verfügbares Trinkwasser.

2010 hat die UN den Anspruch auf reines Wasser und Sanitärversorgung als allgemeines Menschenrecht, wenn auch nicht völkerrechtlich verbindlich, festgeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt haben 761 Millionen Menschen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser. 2013 starben bisher 1,6 Millionen Menschen an den Folgen verunreinigten Wassers (siehe worldodometer.info).
Abgefülltes Wasser ist ein riesiges Geschäft, dort tummeln sich Giganten wie Nestle, Coca Cola, Pepsi und Danone. Sie besitzen viele der besten Trinkwasserquellen der Welt. Für Quellwasser aus einer seiner Quellen in Colorado bezahlt Nestle etwa 2 Cent für 4l, um dann beim Verkauf rund $10 zu erzielen.
Bereits heute gibt es ‘Wasserkriege’. Israel, Jordanien, Syrien und die Palästinenser streiten über die wenigen Wasserreserven im Nahen Osten. Bei den Unruhen in Libyen geht es u.a. auch um Wasser, denn das Land sitzt auf unvorstellbaren Mengen von Süßwasser. Staudammprojekte am türkischen Teil des Euphrat verringern die Durchflussmenge und verschlechtern die Qualität flussabwärts, was zu Spannungen der Türkei mit Syrien und dem Irak führt. 2000 wurde die bolivianische Stadt Cochabamba Schauplatz des Guerra del Agua („Wasserkrieg“). Nachdem der Internationale Währungsfond die Privatisierung der Wasserversorgung erzwungen hatte, verdreifachten sich in kürzester Zeit die Wasserpreise. Nach gewalttätigen Zusammenstößen wurde im April 2000 das Kriegsrecht über die Stadt verhängt. Mitte April 2000 nahm die Regierung die Privatisierung schließlich zurück. Um EU-Hilfe zu erhalten forderte Brüssel Portugal auf seine Wasserversorgung Aguas de Portugal zu verkaufen. In der Kleinstadt Pacos de Ferreira hat man vor einiger Zeit privatisiert. Laut einem Bericht des WDR haben sich die Trinkwasserpreise um 400% erhöht. In den Troika Verträgen für Griechenland, sind die Wasserversorger von Athen und Thessaloniki zur Privatisierung vorgesehen.
Überhaupt arbeitet die EU seit Jahren an der Privatisierung der Wasserversorgung. In einem EU Richtlinienvertrag versteckt man die Forderung geschickt, in dem für den Bereich Wasserversorgung eine ‘Marktöffnung’ gefordert wird. Gegenläufig zu diesem Trend wurde in Berlin kürzlich entschieden, die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe, aus dem Jahr 1999, rückgängig zu machen und diese bald wieder zu verstaatlichen. Zu einem Kaufpreis von ca. 590 Millionen Euro, wird der Berliner Senat die Anteile des französischen Unternehmens Veolia zurück kaufen.

Kleine und große TrendVorreiter

  • Der schöne Schein der Modewelt birgt ein ernstes Umweltproblem. Die milliardenschwere Textilindustrie trägt erheblich zur Wasserverschmutzung bei. Laut Green Peace werden in China 40% des Oberflächenwassers und 20% des Grundwassers als verschmutzt betrachtet. In Indonesien leiten Textilfabriken ph14-Wasser und gefährliche Chemikalien direkt in die lokale Wasserversorgung. Umweltaktivisten, Designer, Blogger und Models haben, gemeinsam mit Green Peace, die weltweite Detox-Kampagne ins Leben gerufen und fordern Mode umweltverträglich herzustellen. Achtzehn der führenden Textilhersteller haben bereits positiv auf diese Kampagne reagiert und Verbesserungen zugesagt (Nike, Adidas, Puma, H&M, M&S, C&A, Li-Ning, Zara, Mango, Esprit, Levi’s, Uniglo, Benetton, Victoria’s Secret, G-Star Raw, Valentino, Coop, Canepa).
  • Wasser, als Lebensmittel für die die es sich leisten können? Das angeblich teuerste Wasser der Welt stammt aus dem japanischen Rokko-Gebirge und ist für stolze 124 Euro/ l zu haben. Gleich darauf folgt ‘Bling h2o’ mit 123 Euro. Geradezu ein Schnäppchen ist dagegen ‘Cloud Juice’ für 26 Euro, laut Etikett besteht es aus 9.750 tasmanischen Regentropfen. Näheres zu Qualität und Unterschieden kann ihnen der Wasser-Sommelier des Kempinski in St. Moritz erklären.
  • Tim Lang, Berater der britischen Regierung in Sachen Umweltschutz sagt, man müsse den Menschen klarmachen, dass der Konsum von Flaschenwasser, ähnlich wie das Rauchen, nicht mehr zeitgemäß sei, es verbrauche unnötig Energie und verursache Müll. Beim Abpumpen eines Liter Wassers aus der Themse fallen 0,3g CO2 an. Beim Abpumpen und Transport des französischen Volvics nach London fallen 185g CO2 an (Entfernung 867km). Die Entfernung zwischen London und den Fidschi Inseln beträgt 13.569 km. Wenn man nun FiJi-Wasser in London trinkt, ergibt das rein rechnerisch eine CO2 Emission von 2.895g – müssen wir, außer auf Fidschi, wirklich Fiji-Wasser trinken? Wissenswert ist, dass es auf Fidschi Regionen mit Trinkwasserproblemen gibt.
  • Und dann ist da noch das Problem der Flaschen. Mit dem Öl das in England für die Produktion von Wasserflaschen verbracht wird, könnte man 17.000 Autos 1 Jahr fahren lassen.
    Das amerikanische WaterWatch Project veröffentlichte folgende Fakten: 80% der in den Staaten verbrachten Wasserflaschen enden im Müll. In den USA wird nur eine von 5 PET-Flaschen recycelt. Auf amerikanischen Mülldeponien finden sich 2 Millionen Tonnen gebrauchter Wasserflaschen.
    2007 gründeten einige Produzenten von Flaschenwasser ‘Thirsty Planet’ eine Organisation die, gemeinsam mit „Pump Aid’, hilft in bedürftigen Ländern tausende von Brunnen zu bauen und zu pflegen. Der britische Wasserproduzent ‘Belu’ arbeitet mit höchsten Umwelt- und Ethikansprüchen: so kommt der gesamte Profit der Organisation ‘Water Aid’ zugute, die Fabrik wurde auf erneuerbare Energien umgestellt, um Transportwege zu vermeiden wird das Wasser nicht exportiert und die Plastikflaschen sind kompostierbar.
    Doch um einen führenden englischen Umweltpolitiker zu zitieren „… wem die Umwelt wichtig ist, der sollte Leitungswasser trinken“.
  • Ein Kilo Rindfleisch kostete 15.000 l Wasser, ein Kilo Weizen 1.300 l. Nun müssen wir nicht alle vegetarisch oder gar vegan leben. Ein fleischloser Tag pro Woche, mutete im Wahlprogramm der Grünen vielleicht befremdlich an, doch als freie Entscheidung im eigenen Haushalt mag es eine Option sein. Supermarktketten wie Hofer/Österreich weisen auf ihren Bioprodukten die Wasserersparnis auf der Verpackung aus.
  • Im neuen Buch von Mosin Hamid geht es um die Möglichkeiten und den Stellenwert den Wasser, in einem Land wie Pakistan, hat. Sein Held baut sich ein eigenes Imperium auf mit dem wichtigsten und knappsten Gut, das man sich denken kann: mit Wasser und das obwohl das Wasser in den Flaschen nicht hält, was das Etikett verspricht.
  • TrendReflexion

    Auch wenn wir in Nordeuropa zu den wasserreichen Ländern gehören und unser Wasserverbrauch, verglichen mit dem der USA (295 l/Tag), gering scheint (Deutschland 122l/Tag, Österreich 135l/Tag), so ist der ‘Wasser-Footprint’ den die Güter hinterlassen, die wir kaufen und konsumieren, signifikant. Dieses sogenanntes “virtuelle Wasser” stammt oft aus Ländern, in denen Wassermangel und weniger strenge Umweltauflagen vorherrschen. Die folgenden Zahlen wurden 2009 in Der Zeit veröffentlicht: 400.000 l Wasser zum Bau eines Autos, 27.000 l für 1kg Kakao, 21.000 l für 1kg Kaffee, 20.000 l für den Bau eines PCs, 11.000 l für eine Jeans, 300 l für eine Flasche Bier.
    Die Endlichkeit von sauberem Wasser geht uns alle. Bewusste Entscheidungen können einen Unterschied machen. Langlebige Produkte entlasten die Umwelt, Toxin-freie Kleidung entlastet auch unser eigenes Grundwasser, etc.